Glocken

Die Historie und Beschreibung der Glocken unserer Gemeinde

Vom 61 Meter hohen Hauptturm und dem Dachreiter unserer Gemeindekirche rufen 5 Glocken die Gemeinde zu Gebet und Gottesdienst. Wie jedes andere Ausstattungsstück der Kirche hat auch das Geläut seine Geschichte, welche im Folgenden kurz dargestellt werden soll. Bereits kurz vor der Fertigstellung des vom Bochumer Architekten Hermann Wielers geplanten Gotteshauses am 24.09.1890 erklang ein 1889 angeschafftes Bronzegeläut in der Tonfolge f’-as’-b’, gegossen bei Friedrich Otto in Bremen-Hemelingen, vom Turm.

Nachdem Kirchbau und Ausstattung vollendet waren, und die Finanzkraft der Gemeinde erstarkte, wurden diese 3 Glocken 1903 gegen eine neues, von derselben Gießerei gegossenes, fünfstimmiges Bronzegeläut des’-es’-f’-as’-b’ ausgetauscht, dessen herrlicher Klang in der Pfarrchronik häufig erwähnt wird. Die große Dreifaltigkeitsglocke, mit 2.370 kg Gewicht die bis heute schwerste Glocke, die je in der Liebfrauenkirche gehangen hat, wurde von der Familie des Landwirts Heinrich Goerdt gestiftet.

In den beiden Weltkriegen dienten Bronzeglocken dem Staat als Metallreserve, sie wurden, gestaffelt nach kunsthistorischen und klanglichen Werten, der Reihe nach eingezogen, um zu Waffen umgegossen zu werden. Im ersten Weltkrieg blieben die Liebfrauenglocken wegen ihres Klanges von der Ablieferung verschont, im zweiten Weltkrieg jedoch mussten auch sie den Turm verlassen. Leider hat man sie, bis auf die kleine Liboriusglocke, bereits im Turm zerschlagen, so dass eine Rückkehr nach dem Krieg von vornherein ausgeschlossen war. Vor der Zerstörung wurde eine bis heute existente Tonaufnahme der Glocken auf Schellackplatten angefertigt.

Weihe 1949

Glockenweihe 1946

Weihe 1954

Glockenweihe 1954

Bereits kurz nach dem zweiten Weltkrieg mühte sich die Gemeinde um ein neues Glockengeläut, diesmal wurde, auch aus Kostengründen, auf den Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation zurückgegriffen, der, im Vergleich zu Bronzegießereien, wesentlich günstiger zu liefern in der Lage war. Bereits am 29.09.1946 wurden 5 neue Stahlglocken in der Tonfolge d’-e’-fis’-a’-h’ geweiht, von nun ab verkündete wieder ein volles Geläut der Gemeinde friedvollere Zeiten.

 

Marienglocke

Marienglocke

Josephsglocke

Josephsglocke

Der Begriff V7e benennt übrigens eine der sogenannten „Versuchsrippen“ des Bochumer Vereins. Diese wurden dort in der Reihenfolge ihrer Entstehung nummeriert. Der Begriff „Molloktavglocke“ besagt, dass der Unterton einer Glocke im Oktavabstand zum Schlagton und zur Prime erklingt. Darüber befindet sich eine Mollterz als Summton.

Bei dieser Geläuteanschaffung ging leider auch die erhaltene, kleine Bronzeglocke verloren, was mit ihr geschah, ist dem Pfarrarchiv nicht zu entnehmen. Wegen erheblicher Mängel in der Konstruktion der Glocken konnte der Klang des Geläuts die Gemeinde aber nie recht befriedigen, so dass der Bochumer Verein ersucht wurde, die Glocken gegen neue auszutauschen. Das lange Verhandeln hatte schließlich im Jahr 1954 Erfolg, und seit der Weihe am 16.05.1954 rufen die vier, diesmal im Klang hervorragend gelungenen, Molloktav-Stahlglocken in V7e-Rippe, vom Turm herab zur Kirche.

 

Michaelsglocke

Michaelsglocke

Engelglocke

Engelglocke

Glockenklang besteht nicht nur aus einem Ton, also dem „Bim“ oder dem „Bam“. Glockenklang setzt sich vielmehr aus einer Reihe von Summtönen zusammen.

So hat die Glocke „Marienglocke/ Rosenkranzkönigin" h° ( siehe Tabelle unten ) zum Beispiel die Töne Unteroktave H, Prime h°, Mollterz d’, Quinte fis’ und Oberoktave h’.

1990 beschenkte sich die Gemeinde anlässlich der Feier zum 100-jährigen Bestehen der Pfarrkirche mit einer fünften Glocke. Diese Bronzeglocke war für den Dachreiter bestimmt und wurde von der Glockengießerei Petit & Edelbrock in Gescher gegossen. Gleichzeitig wurde in die seit 1959 existierende Turmuhr der Firma Vortmann, Recklinghausen ein mechanisches Angeluslaufwerk eingebracht, so dass die kleine Glocke heute dreimal täglich zum „Engel des Herrn“ erklingen kann.

 Angelusglocke im Dachreiter Dachreiter

Auch wenn die 4 großen Glocken der Liebfrauenkirche musikalisch ein wunderbares Geläut darstellen, stehen sie als Stahlglocken bei Fachleuten nicht hoch im Kurs, da Stahl ein wesentlich härteres und obertönigeres Klangbild bietet als Bronze. Für das Ruhrgebiet haben Stahlgeläute allerdings ihre volle Daseinsberechtigung, denn Kohle und Stahl haben das Ruhrgebiet in seiner heutigen Form wesentlich gegründet und geprägt, und so mag der Klang der Stahlglocken späteren Generationen in Erinnerung rufen, was unsere Väter mit ihrer oft harten Arbeit aufgebaut und uns hinterlassen haben. Stahl gab vielen Menschen Arbeit und Brot – wie selbstverständlich klingt er hier zu Gotteslob, Dank und Mahnung!
 

Schaltpult in der SakristeiSchaltpult Glockengeläut

  Schlagton Durchmesser Gewicht Inschrift

Rosenkranzkönigin/

Marienglocke

h° - 5 1,795 m ca. 2.290 kg
Regina sacratissimi rosarii regina pacis regina mundi ora pro populo tuo cordi devoto
Josephsglocke d’ - 3 1,510 m ca. 1.350 kg
Fac nos innocuam Joseph decurrere vitam sitque tuo semper tuta patrocinio

Michaelsglocke

e’ - 5 1,344 m ca. 935 kg
Signifer sancte Michael repressenta animas in lucem tuam

Engelglocke

fis’ – 4 1,182 m ca. 620 kg
Benedicte omnes angeli domini dominum
Angelusglocke h’’ - 2 0,470 m ca. 90 kg
Angelus domini nuntiavit Mariae Saeculo anniversario ecclesiae bmv reginae sacratissimi rosarii 1890-1990

 

Quelle: Winfried Eichholz, Hattinger Straße 250, 44795 Bochum